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Pubertierende Eltern, oder: Zur Bedeutung von Dunstabzugshauben

Eltern sein ist schwer. Aufopfernd zieht man den Nachwuchs auf, muss dabei lernen sich selbst und seine Interessen hinter die des Kindes zu stellen und allzeit zu Kompromissen bereit sein. Durchschnittlich 17 Jahe pro Kind. Hat man es gerade geschafft seine eigenen Ansichten mit denen des Kindes in Einklang zu bringen, ist auch dieser Konsens nur von kurzer Dauer und wird unverzüglich durch den von ungleichmäßig fortschreitender Pubertät und Adoleszenz geprägten Dissens abgelöst.
Irgendwann sind die Kinder aus dem Haus. Dann muss man sich neu (er-) finden um nicht an der plötzlichen Leere zu scheitern (ein Söpferischer Sprung ist anzustreben, aber nicht zwingend notwendig). Besuche im Haus der Kinder enden anfänglich meist in Entzweiung. Unweigerlich dringt ein Gefühl in das Hirn der Eltern vor, sie hätten bei der Erziehung versagt. Nichts ist so wie es sein sollte und wenig wird wie erwartet gemacht. Mütter beginnen Fenster zu putzen und Wäsche zu bügeln, Väter schrauben Gardienenstangen an die Decke und untersuchen penibel die Verarbeitung aller möglichen Einrichtungsgegenstände. Gleichwohl sie diese Tätigkeiten im eigenen Haus (-halt) als Last empfinden tun sie es hier mit einer Inbrunst, die das Kind nur noch mit Kopfschütteln und machtlosem Geschehenlassen kommentieren kann.
In den besten Fällen geht diese Phase der Eltern wie auch die vorherige der Kinder nach einer gewissen Zeit offener und verdeckt ausgetragener Konflikte in eine Symbiose über. Hin und wieder brechen feste Vorstellungen der Eltern aber erneut aus und kollidieren mit denen des Kindes. So geschehen vor kurzem, als sich Vater für die Einrichtung meiner Küche interessierte. Eine Dunstabzugshaube hat doch so viele Vorteile und filtert nicht nur die geruchs- und fettverseuchte Abluft vom Herd. Ähnlich geschehen auch vor einiger Zeit, als Mutter den Sinn der unter den Küchenschränken angebrachten Füße Beine in Frage stellte. Letztere dienen schlicht dazu, die Arbeitsfläche auf eine meiner Körpergröße ergonomisch entsprechenden Höhe zu heben und verkleidet wird da genau deshalb nichts, weil 0,4 m³ nutzbarer Stauraum wertvoll sind und ich mir außerdem mit der mütterlicherseits vorgeschlagenen Konstruktion nicht die Möglichkeit verbaue vorhandene 2,7 m² reinigen zu können. Die Dunstabzugshaube wiederum ist in der Tat eine nützliche Erfindung, birgt jedoch den Nachteil, dass man sich ständig den Kopf einschlägt beim Versuch den Fortschritt des Erhitzungsprozesses vom Inhalt auch der hintersten Töpfe zu überwachen. Es gibt für mich wichtigere Anschaffungen, meine Lebensqualität zu verbessern und nicht zuletzt bleibe ich bis auf weiteres felsenfest meiner beschwörenden Affirmation treu, dass Dunstabzugshauben die oberste Spitze eines luxoriösen Einrichtungs- und Lebensstils sind, den man mit einer vorzeitigen Anschaffung einer solchen nicht herbeikaufen kann; heißt, wenn die Zeit nicht reif ist für den Besitz einer Dunstabzugshaube wird ebendieser das gesellschaftliche Selbstverständnis nachhaltig stören.
Ich bin mir außerdem sicher, ihr beide habt euch weder bei eurer ersten noch den folgenden und auch nicht der aktuellen Küche annährend meine Gedanken zum strukturellen Aufbau gemacht und schon deshalb spreche ich euch das Recht ab einzelne Punkte offen zu kritisieren.
Wenigstens darf ich meine Schrauben inzwischen selbst in die Wand dübeln und nur die Teile meiner Wäsche bügeln, bei denen ich es für notwendig halte.

written by don raspunicum on 07-Dec-2009 and filed in drawers People, Think   |   eternal link of this text
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Comments
Comment from aus der Dunkelheit - 10-Dec-2009 at 22:32

…aus der Dunkelheit der anonymen Leserschaft hervorzutreten, erfüllt zwar noch nicht die Kriterien eines schöpferischen Sprunges, aber erfüllt vielleicht den frommen Wunsch eines (angeblich) Ungläubigen. Daher: Ich lese Ihre Artikel mit leisem Vergnügen.
Beim letzten, hier genannten Artikel mischte sich jedoch das blanke Entsetzen dazu: Eine Küche ohne Abzugshaube erfüllt nicht nur nicht die Kriterien einer Yuppie-Küche sondern entzieht sich der Betrachtung von Risikosituation – Eintrittswahscheinlichkeit, Schadensausmaß 1A bis 1D.
Um den Kopfschutz B7 einzuhalten empfiehlt sich ein Abstand zur Kochplatte von mindestens 90 Zentimetern.
Aber da es darum gar nicht ging: Herzlichen Glückwunsch zum elterlichen Engagement! Aber wenn Ihre Fähigkeit, Einrichtungsgegenstände an Wände anzubringen aus elterlicher Sicht in Frage gestellt wird, würde ich aus guter Erfahrung und mit vollem Einsatz für Ihr Ansehen kämpfen, äh eintreten.

Comment from don raspunicum - 11-Dec-2009 at 14:09

Aus der Dunkelheit ins Licht … Schön, dass du dich trautest. Danke für die Inaussichtstellung vollen Einsatzes. Ich glaube jedoch mich an eine Situation zu erinnern, in der selbst der Meister der Wandbefestigung schlechthin versagte; muss ein Altbau mit maroden Wänden und tollem Fußboden gewesen sein.
Bis bald!