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Obertauern – ein Ab-Riss (1)

Mittwoch um vier. Aus dem warmen Bett quälen, Klamotten zusammensuchen. Regentag, Autodach vereist. Keine Chance für den Sportgerätehalter, also alles in den Innenraum. I’m always amused, wenn alle Klamotten in einem Mikrokoffer unterkommen. Arbeitstag. Heute stresst mich keiner. Um drei los. Noch Friseur, die langen Zotteln ab. Doch daraus wird nichts. Ich habe bestimmt keinem Halbzweitermin zugesagt. Es ist egal, so kommen wir eher los. Sportgerätehaltermontage. Abgefahren sieht das aus, auf dem Minidach wachsen Skier. Der viele Kaffee wird mich noch umbringen, irgendwann.
Gegen neun kommen wir an. Was für eine Lage! Links ein Berg und rechts einer, sanft ansteigende Schrägen geboren aus dem Zusammenwachsen zweier Hänge. Keine schroffen Felswände wie sonst. Es ist hell. Der Schnee reflektiert die Strahlung der üppig beleuchteten Häuser. Movinglights on the rocks. Helmut Grieb lotst uns telefonisch zu seiner schönen Aussicht. Irgendwo finden wir einen Platz für den Mini. Es gibt einen Wintereingang. Neunzehnhundertsiebzig ist das Haus erbaut. Und hat die Aura der Herbergen im Riesengebirge, die ich in den frühen Neunzigern oft besuchte. Charmant, irgendwie. Auf dem engen Gang kommen uns drei junge Männer auf dem Weg in den Ort entgegen. Wir sollen es sportlich nehmen. Machen wir. Das Zimmer ist geräumig. Alle Möbel furniert in Eiche rustikal. Im Bad soll eine filigrane Duschbrause Wasser spenden. Tröpfeln eher. Doch dann stört die Abwesenheit des Duschvorhangs nicht. Wir haben sogar eine Einbauküche in unserem Zimmer. Eingebaut in einen Kleiderschrank.
Helmut Grieb ist ein Hotelier der alten Schule. Siebenundsiebzig Winter hat er gesehen und trinkt gern einen Schnaps mit guten Gästen. Seine Wahrnehmung der Dinge ist eine ganz eigene. Hat das alles mit seinen eigenen Händen aufgebaut und der Stolz darauf lässt einfach keine Kritik zu. Auch nicht auf das Essen, das von einem resignierten Küchenchef mit reichlich Glutamat und Fondor verrührt wird. Elvira, der Gastro-Vamp, versorgt uns mit Getränken und die Teller werden schüchtern von einer blassen Ungarin gereicht.

Ab 13:55 wird über Helmut Grieb und seine Teppiche berichtet: www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/755506/Die-Hoteltesterin#/beitrag/video/755506/Die-Hoteltesterin (Das “schöne Doppelzimmer” war übrigens unseres.)
Eins von 15 weltweit … www.holidaycheck.de/hotel-Reiseinformationen_Hotel+Bellevue-hid_37998.html

Fortsetzung folgt …

zu Teil 2 | Teil 3 | Teil 4

written by don raspunicum on 01-Mar-2010 and filed in drawers Experience   |   eternal link of this text
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Comments
Comment from mortek - 02-Mar-2010 at 00:57

aaahahahahaha. besagte doku hab ich irgendwann mal gesehn :D
macht die absteige noch gewinn? und wie kommt es dass du dort untergekommen bist?

gruss an die famosen teppiche :)

Comment from don raspunicum - 02-Mar-2010 at 07:44

Gewinn macht er.
Wie sind wir da hineingeraten? Nun, es war das Wochenende nach Fasching und wir hatten uns wohl zu kurzfristig entschieden. Alles andere war zu teuer oder ausgebucht.
Aber ich möchte nicht, dass der Eindruck entsteht es wäre der Horror gewesen. Bis auf das Essen hat das Haus Charme, schlimmeres habe ich auch schon erlebt und ich kann nun mit Fug und Recht behaupten “ich hab’s geseh’n”.

Das Haus steht übrigens zum Verkauf, wie Helmut Grieb uns mitteilte. Er ist zu alt für diesen Job. Dreienhalb Millionen ist gar nicht so viel für die Lage glaub ich und danach kommt einfach die Abrissbirne. Aber versuch mal, heutzutage einen Immobilienkredit zu bekommen …