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Minus Tausend Punkte für den goldenen Westen

Der Deutschen Problem von Ost und West ist mir ziemlich fern. Vielleicht bin ich zu jung um der ehemaligen DDR noch richtig verbunden zu sein, vielleicht kann ich auch nicht genug Neid empfinden.
Ehrlich gesagt geht mir das ständige Vergleichen von Ossis und Wessis ziemlich auf den Sack. Je öfter von beiden Seiten auf Unterschiede hingewiesen wird, desto ferner rückt das Zusammenwachsen zu einer Nation.

Kürzlich wurde mir jedoch ein krasser Gegensatz klar: im Osten ist man wesentlich offener, wird schneller mit Fremden warm und sieht unkomplizierte gegenseitige Hilfe als ganz selbstverständliche Pflicht an.
Ich besuchte meine Großmutter in der Oberlausitz und wollte am Nachmittag wieder zurück nach Schwaben fahren. Daraus wurde erstmal nichts, weil ein in den Autoreifen gebohrter Nagel den Reifen gekillt hatte. Kein Ersatzreifen dabei, aber die Mitgliedskarte eines Automobilclubs und so wurde der MINI in eine Werkstatt geschleppt. Der Fahrer des Abschleppwagens war mehr als freundlich, erklärte mir gleich, dass ein Leihwagen kein Problem sei, er sich schon darum kümmern würde, dass man die Leihwagenleihdauer auf verschiedene Tage aufteilen könne. Ich fuhr also mit dem ersten Leihwagen, ein Familienkutschenkokolores erster Klasse, an einem Tag zurück nach Augsburg und mit dem zweiten, wieder so ein Wackelwagen (man sitzt zwar hoch über der Straße und hat einen guten Blick an jeder Kreuzung, dafür wird einem bei dem Geschaukel ganz übel) an einem anderen zurück zu der Werkstatt, wo man inzwischen neue Reifen (die hätte ich im Herbst sowieso anschaffen müssen) an den MINI gebaut hatte. Auch die Leihwagenrückgabe in der Werkstatt war unkompliziert, dazu ein fairer Preis, ein blitzblanker MINI und sogar um die Begleichung der Abschleppkosten bei meiner Versicherung hatte man sich schon gekümmert. Das alles für einen Fremden, der voraussichtlich ein einziges Mal in einer Kundenbeziehung zu der Werkstatt stehen würde.
Nicht so in Augsburg, wo ich den ersten Leihwagen eigentlich nur abgeben (nach 20 Minuten peinlichster Begutachtung Rücknahme unter Vorbehalt weil nicht extra gewaschen) und den zweiten abholen (ein Reisepass ist kein amtlicher Adressnachweis und ohne den gibt es kein Auto) wollte. Da war sehr deutlich zu spüren, dass der Kunde auch nur eine der störrischen Lasten im Alltag eines Dienstleisters ist.

written by don raspunicum on 24-Apr-2010 and filed in drawers Experience, People   |   eternal link of this text
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