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Im Krematorium

Das Augsburger Krematorium liegt inmitten des Westfriedhofs. Ein Beamter der Stadtverwaltung erklärt in der “Aussegnungshalle” einige Fakten (zum Beispiel steigen die Einäscherungen beständig an und ca. die Hälfte der “Kunden” haben katholischen (Migrations-) Hintergrund) und übergibt dann an der Krematoriumswart.
Der führt uns in einen hellen, runden Raum in dessen Mitte der türkisfarbene obere Teil des Verbrennungsofens steht. Der Ofen wurde im April 2008 gebaut und hat bisher ungefähr 1200 Leichen eingeäschert. Vor dem Ofen befindet sich eine in den Boden eingelassene Hebebühne, die einen darauf gestellten Holzsarg in den Ofen fährt. Zuvor wird ein feuerfester Stein auf den Sarg gelegt und die Metallbeschläge des Sarges abmontiert. In den Schamottstein sind Jahreszahl, laufende Verbrennvorgangsnummer und Ort eingraviert, damit die Asche nach der Verbrennung wieder zugeordnet werden kann.
Der Sarg mit der Leiche wird in die 850°C heiße erste Ebene des Ofens gefahren. Danach folgen drei weitere, untereinander liegende Brennebenen. In jeder Ebene bleibt die Asche (oder deren Vorstufe) für eine Stunde. Ist die erste Ebene frei wird der nächste Sarg hereingefahren.
Die Temperatur des Ofens ist gesetzlich vorgeschrieben und wird im Büro des Krematoriumswartes computergesteuert ünberwacht. Ein kleines Sichtfenster erlaubt die Beobachtung der Verbrennung in der ersten und dritten Ebene. Die Ebenen zwei bis vier sind ein Stockwerk tiefer untergebracht.
Nach vier Stunden wird die Asche aus dem Ofen entnommen. Mit einem Magneten werden unverbrannte Metallteile (zum Beispiel künstliche Hüftgelenke) aus der Asche entfernt und in eine Abfalltonne zur Sondermüllentsorgung überführt. Die Asche wird zusammen mit dem Identifikationsstein in eine Urne gegeben. Die Urne ist ebenfalls graviert.
Pro Tag werden auf diese Weise ungefähr sechs bis acht Tote eingeäschert. Angehörige oder sonstige Nicht-Mitarbeiter des Krematoriums können diesem Vorgang übrigens nicht beiwohnen. Auch das Entnehmen der Asche aus der Urne oder die Aufbewahrung der Urne an einem anderen Ort als auf einem Friedhof oder in einem Kolumbarium ist in Deutschland nicht möglich.

So unspektakulär wie der vorstehende Text wirkte die ganze Führung auf mich. Ein sauberer und rationaler Vorgang ohne großes Aufhebens.
Auch wenns teuer war und das Eintrittsarmband nicht mal kontrolliert wurde: Ich habe ein Krematorium von innen gesehen bevor ich gestorben bin. (Während der Führung war der Ofen übrigens nicht in Betrieb.)

Sarg vor dem Ofen:

Identifikationsstein auf dem Sarg:

Sichtfenster erste Ebene:

Schornstein des Krematoriums:

Außenansicht Krematorium:

Eingang zur “Aussegnungshalle”:

Auf diesem Wege auch meine besten Empfehlungen an und für das Bestatterweblog.

written by don raspunicum on 05-Apr-2009 and filed in drawers Experience, Life, Photo & grafics   |   eternal link of this text
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Comments
Comment from don raspunicum - 05-Apr-2009 at 18:19

Fotografieren wurde mir im unteren Stockwerk verboten, dafür habe ich die letzte Ruhestätte der Kobolde gesehen (und einen Automaten um sich mal eben eine Packung Grabkerzen zu ziehen).

Comment from pappnase - 19-Apr-2009 at 10:10

ganz grosser journalismus.

Comment from don raspunicum - 19-Apr-2009 at 13:46

:)