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Europcar verliert

Seit mindestens zwei Wochen war ein Auto vorbestellt, aber man verpasste uns ein Downgrade zu irgendsoeiner aufgebockten Oppel-Karre. So ein Hochsitz-Rundumblick-Gefährt, in der einem in jeder Kurve schwindlig wird und man beim Bremsen das mulmige Gefühl nicht los wird, die Vorderräder würden gleich abfallen. Auch die verbindliche Buchung eines Navigationsgerätes ist bei diesem Verleiher scheinbar vergeblich, man wird mit einem Selbstbausatz-Nüvi a la Garmin abgespeist (wenigstens mit optionaler Blauzahnverbindung zu einem Telefon).
Erste Zigarettenpause auf der Autobahn, die klappernden Koffer wollten wir umstapeln. Aber die Koffer hatten gar nicht geklappert bei jedem Anfahren – die Heckklappe war ständig offen, denn der entsprechende Einraster war eingerastet und gab weder dem mehrmaligen Betätigen der Zentralveriegelung noch der forsch vorgebrachten Bitte mit einem spitzen Gegenstand nach.
Telefonat mit der Verleihstation von Europcar, oder Üroppcar, wie die Schweizer sagen, Fahrt zur nächstgelegenen Station in Memmingen, einen Antiquitätenhehlerartigen Eingang erst nach mehrmaligem Umrunden des Gebäudes gefunden, keine Chance auf Reparatur oder ein Changeover, denn auch hier sind Leihwagen mit wintertauglicher Bereifung nicht Gegenstand des Geschäfts. Inzwischen war eine Stunde verloren.
Man schickte uns nach einigen hektischen Telefonaten und unserem wiederholten Dringen auf die Erfüllung des Vertrages zum Flughafen. Ganz recht, Memmingen hat seit einiger Zeit einen Allgäu Airport, zu dem man ein altes Militärgelände umfunktioniert hat.
Dort angekommen erwartete uns neben einem Schalter von Hertz, Sixt und Budget – niemand. Nach einer kleinen Weile bequemte sich dann aber doch eine wohlbeleibte, grüne Angestellte an ihren Arbeitsplatz (Typ gestern noch Hartz IV, heute schon Azubi), die mit der Situation vollkommen überfordert war. Das abzugebende Automobil ist ja gar nicht vollgetankt, da müssen wir Ihnen drei Euro irgendwas pro Liter berechnen. Nix da, wir bekommen auf der Stelle einen Ersatzwagen, mit dem man eine Autobahnfahrt ins gebirgige Ausland unbeschadet überstehen kann. Und für die Benzindifferenz kommt der Verleiher auf, das ist das Mindeste was man uns vorerst zur Entschädigung bieten kann.
Oh Wunder, man hatte – die Angestellte ist tatsächlich erst seit kurzem in diesem Unternehmen tätig – einen Renault Clio in sportlicher Ausführung und ekko-döh für uns. Nach kurzem hin und her, um die alte Blechkiste auf einem Parkplatz abstellen und die neue von selbigem herunterzufahren (zu Fuß die eine Karte zum Reinfahren, zu Fuß die andere zum Rausfahren holen) hatten wir insgesamt nur zweieinhalb Stunden verloren.
Nun fällts mir wieder ein, Meriva hatte man den Opel getauft. Trotzdem war das in Bezug auf eine weitere Geschäftsbeziehung keine Gewinnsituation für Europcar und der Slogan You rent a little bit more than a car erscheint mehr und mehr höhnisch, je öfter man ihn liest.
Der Clio fuhr sich trotzdem ganz passabel und verfügt sogar über mitdenkende Scheinwerfer, schlägt man das Lenkrad nur mutig bis zum Anschlag ein.

written by don raspunicum on 27-Nov-2008 and filed in drawers Experience, Work   |   eternal link of this text
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Comments
Comment from don raspunicum - 30-Nov-2008 at 20:52
Comment from Mika - 29-Apr-2010 at 08:51

Es ist immer wieder interessant, wenn man alte Blogbeiträge aus zeitlicher Distanz betrachtet.
Ich habe 2008 sehr über den Beitrag gelacht, inzwischen ist mir der gleiche Mist auc passiert… *seufz*
Nicht nur Europcar macht solche Sachen.

Comment from ParkenMensch - 20-Nov-2011 at 17:39

Na ja, Volkswagenkonzern halt, was willste erwarten? Und preislich liegen die inzwischen über Sixt (habe da auch ne böse Überraschung mit Ürupcar gemacht…)