Battyman-Tunes und der Vergleich von Äpfeln und Birnen
- dieses Jahr live gehört & gesehen: Sizzla, Anthony B., Buju Banton
- über Battyman-Tunes nachgedacht
Wichtig ist vor der kategorischen Ablehnung der Künstler, das gesellschaftliche Umfeld zu betrachten aus dem sie kommen. So ist in Jamaika (und nicht nur dort) der männliche homosexuelle Akt gesetzlich verboten. Ich wage zu schließen, dass die Mehrheit der Einwohner Jamaikas, die Meinung der Regierung teilt, also hinter den Gesetzen des Landes steht. Der ideale Weg eines Gesetzes ist gleichwohl umgekehrt: die (legislative) Regierung vertritt die Meinung des Volkes.
Ziehen wir jetzt einen Vergleich zu Deutschland und kommen von Äpfeln zu Birnen [1]: Gibt es antisemitische Gesetze folgt die Mehrheit des Volkes diesen oder nimmt sie mindestens stillschweigend hin [2,3], ebenso “schafft gegen ‘rechts’ zu kämpfen” heute “definitiv ein gutes Gefühl”.
Ich glaube nicht, dass man Menschen dafür zur Rechensachft ziehen kann, wenn sie das tun, was von ihnen erwartet wird oder was viele andere vormachen. Wer es kann und nicht tut: Glückwunsch, doch die Masse der Gutmenschen (hier ohne Pejoration) die wie wir gern hätten gibt es gar nicht.
Wie können wir dann von anderen fordern, was wir selbst nicht vermögen?
[1] Der Vergleich von Apfel und Birne hinkt gar nicht so sehr wie man meint. Einige Gemeinsamkeiten:
- Ordnung Rosenartige, Familie Rosengewächse, Unterfamilie Spiraeoideae, Tribus Pyreae, Untertribus Kernobstgewächse
- “Obst”
- klimatische Bedingungen
- Konsistenz des Fruchtfleisches
- Ausbildung der Samen
- …
[2] F. D. Hardegen (Hrsg.): Hingesehen – weggeschaut: die Novemberpogrome 1938 in Augenzeugenberichten, zba.Buch, Berlin, 2008
[3] V. Knigge (Hrsg.): “… mitten im deutschen Volke”: Buchenwald, Weimar und die nationalsozialistische Volksgemeinschaft, Wallstein, Göttingen, 2008
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na ich weiss nicht. willst du sagen dass wenn eine menschenverachtende einstellung nur von genug leuten inhaltlich getragen wird geht das schon in ordnung? ich meine, zwei der von dir genannten künstler rufen in ihren liedern dazu auf (bzw. heissen es gut) schwule zu töten. das ist ihrer christlich-fundamantalistischen religion folgend durchaus legitim, und auch der gesellschaftliche mainstream auf jamaika deckt sowas. aber dadurch erfährt der kern der sache für mich in keinerlei berechtigung. das ist und bleibt eine (religiös-geschichtlich bedingt) beschränkte sichtweise, intolerant und menschenverachtend. dem muss man nicht noch zujubeln.
und ich bin in diesem fall so frei meine moralischen wertemassstäbe über die des schwarzen mannes einzuordnen und ihm zuzurufen “mach dich mal locker, ey”.
was du sagst ist ganz richtig.
ich habe nicht gesagt, dass es in ordnung geht. habe lediglich darüber nachgedacht warum es so sein könnte und bin zu dem schluss gekommen, dass man von anderen nicht fordern soll was man selbst nicht auf die reihe kriegt.
klar bin ich auch der meinung, die sollten sich in der beziehung mal ganz dolle locker machen. vor allem als weltreisende kosmopoliten, die weit mehr zu sehen kriegen als der normale jamaikaner.
ich habe auf den konzerten keins der kontrovers diskutierten lieder gehört und der reggae compassion act geht ja schon in die richtige richtung. das publikum hat mir jetzt auch nicht den homophoben eindruck gemacht. zusätzlich muss man einem menschen auch die möglichkeit geben, zu revidieren was er in der vergangenheit als die wahrheit angesehen und verteidigt hat (siehe buju banton).
ich meine aber, man sollte das thema mal von einer position weit ab von dem schwarz-weiß/links-rechts/gut-böse/homo-hetero/… betrachten. eben damit man selbst nicht plötzlich intolerant und menschenverachtend ist.
was mich generell stört ist, dass ganze konzerte, das werk von künstlern und die besucher/hörer in frage gestellt werden, weil ein-zwei lieder nicht in den (gerade) erwarteten hauptstrom passen; siehe diskussion um mia. damals und um einige bei sgw gelistete gruppen.
den vergleich mit auf sgw gelisteten bands wollt ich auch schon bringen und dabei darauf hinweisen, dass der ganz schön hinkt. denn während einerseits die kritik nur aus hineininterpretierten vorwürfen besteht hört man andererseits knallharte mordaufrufe. und auch wenn es mit nur ein oder zwei liedern lediglich einen kleinen teil des gesamtwerk eines künstlers darstellt, das geht ni! da hilft auch keine schwammige und augenscheinlich nur aus kommerziellen gründen für die bekloppten europäer abgegebene distanzierung wie von herrn sizzla.
meine toleranz hat grenzen. diese liegen erwiesenermaßen weit hinter denen der üblichen bürgerlich/gutmenschlichen soße. aber wenn es darum geht gewissen menschen wegen nichtigkeiten wie der sexuellen präferenz das lebensrecht absprechen zu wollen, da zieh ich für mich die linie. ich glaube nicht dass ich mich an dem versuch einer verhinderung von konzerten der betreffenden künstler aktiv beteiligen würde, aber besuchen täte ich sicherlich keins.
ist die frage ob das hineininterpretiert wird; von 5 befragten wird man da mindestens 10 meinungen erhalten.
hingehen werd ich auch nicht so schnell wieder – viel zu laut vor den boxen.
;)

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